Ich bin noch immer ganz begeistert von diesem Workshop. Nicht nur wegen der vielen spannenden Gespräche, sondern vor allem wegen dieser besonderen Momente, in denen man plötzlich merkt: Hier entsteht gerade etwas Echtes.
Und ganz ehrlich? Genau das passiert selten in klassischen Meetings zwischen Agenda Punkt 7 und der Frage, ob noch jemand etwas „unter Sonstiges“ hat. Die wirklich guten Ideen entstehen für mich oft dort, wo Menschen Raum bekommen, anders zu denken, sich auszutauschen und Dinge sichtbar zu machen, die im Alltag normalerweise irgendwo zwischen Stress, To-do-Listen und operativem Wahnsinn verloren gehen.
Gemeinsam mit Sandra Finkstein durfte ich für die Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer Vorarlberg genau so ein Workshopformat gestalten. Unser Anspruch war von Anfang an klar: kein Workshop „von der Stange“. Keine endlosen PowerPoint-Schlachten, keine frontal moderierten Theorieblöcke und kein Format, bei dem Menschen acht Stunden lang möglichst höflich versuchen, konzentriert auszusehen. Wir wollten etwas schaffen, das aktiviert. Etwas, das verbindet. Ein Setting, in dem Menschen nicht nur zuhören, sondern wirklich mitdenken, mitgestalten und ihre Perspektiven einbringen können.
Also haben wir unser kreatives Methoden-Feuerwerk gezündet.
Es wurde gebaut, gezeichnet, diskutiert, geklebt, reflektiert, gelacht und manchmal wahrscheinlich auch kurz daran gezweifelt, ob das hier tatsächlich noch ein Workshop oder schon wieder Kindergarten ist.
Der Unterschied: Im Kindergarten spricht selten jemand über Führung, Rollenbilder, Verantwortung, Mut oder gesellschaftliche Veränderungen.
Und genau darin liegt für mich die unglaubliche Kraft solcher Formate.
Denn mittlerweile gibt es zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse und Studien, die genau das bestätigen, was viele von uns in Workshops immer wieder beobachten: Menschen denken anders, wenn sie Dinge sichtbar machen, mit den Händen arbeiten und spielerisch in Austausch kommen. Methoden wie LEGO® Serious Play®, Design Thinking oder andere „Serious Play“-Ansätze fördern nachweislich Kreativität, Beteiligung und tiefere Reflexion. Besonders spannend finde ich dabei den Gedanken des sogenannten „Thinking with the hands“ – also des Denkens mit den Händen. Genau dieses aktive Gestalten hilft Menschen dabei, komplexe Themen greifbarer zu machen, Perspektiven sichtbar zu machen und neue Lösungswege zu entwickeln.
Was ich persönlich in Workshops immer wieder erlebe, wird auch wissenschaftlich beschrieben: Sobald Menschen spielerisch arbeiten dürfen, verändert sich die Gesprächsdynamik. Beteiligung steigt. Unterschiedliche Sichtweisen werden sichtbarer. Menschen sprechen offener über Gedanken, Unsicherheiten oder Ideen, die in klassischen Meetingsettings oft unausgesprochen bleiben. Gerade deshalb spielt auch das Thema psychologische Sicherheit eine enorme Rolle. Forschung rund um Amy Edmondson oder Googles „Project Aristotle“ zeigt seit Jahren, dass Teams dann besonders innovativ und leistungsfähig sind, wenn Menschen ihre Gedanken ohne Angst vor Bewertung oder Fehlern äußern können. Genau solche Räume entstehen oft durch kreative und partizipative Workshopmethoden.
Und ehrlich gesagt finde ich genau das unglaublich spannend: Wir sprechen in Unternehmen ständig über Innovation, Veränderung, Zusammenarbeit und neue Denkweisen, arbeiten aber oft noch immer in Formaten, die genau das verhindern. Sobald Menschen jedoch anfangen zu bauen, zu visualisieren oder gemeinsam kreative Modelle zu entwickeln, passiert etwas Spannendes: Gespräche werden ehrlicher. Perspektiven öffnen sich. Menschen trauen sich plötzlich, Gedanken laut auszusprechen, die sie vielleicht schon lange mit sich herumtragen. Dinge werden greifbar. Sichtbar. Diskutierbar. Sachlich.
Besonders beeindruckend war für mich zu beobachten, wie schnell aus ersten vorsichtigen Gesprächen echte Dynamik entstanden ist. Frauen haben Erfahrungen geteilt, Ideen weiterentwickelt, gegenseitig ergänzt und begonnen, Möglichkeiten zu denken, die vorher vielleicht noch nie ausgesprochen wurden. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir solche Räume viel öfter brauchen. Nicht nur in Workshops, sondern generell in Organisationen, Teams und Netzwerken.
Denn Innovation entsteht aus meiner Sicht selten dort, wo Menschen einfach nur funktionieren müssen. Sie entsteht dort, wo Vertrauen da ist. Wo unterschiedliche Sichtweisen Platz haben. Wo Menschen sich trauen dürfen, unfertige Gedanken auszusprechen, ohne sofort die perfekte Lösung liefern zu müssen. Was dabei oft unterschätzt wird: Kreative Methoden sind keine nette Spielerei für zwischendurch. Sie sind ein unglaublich wirkungsvoller Türöffner.
Gerade in meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie stark Methoden aus dem kreativen Arbeiten dabei helfen, komplexe Themen greifbar zu machen. Egal ob in Strategieprozessen, Teamentwicklung, Change-Projekten oder Organisationsentwicklung. Sobald Menschen beginnen, Dinge sichtbar zu machen, entstehen plötzlich ganz andere Gespräche. Oft tiefere. Ehrlichere. Nachhaltigere.
Und ja, natürlich braucht es dafür auch Mut.
Mut von Teilnehmer:innen, sich auf ungewohnte Formate einzulassen. Aber genauso Mut von Organisationen, solche Räume überhaupt möglich zu machen. Denn kreative Settings bedeuten auch, Kontrolle ein Stück weit loszulassen und darauf zu vertrauen, dass echte Beteiligung oft viel wirksamer ist als perfekt vorbereitete Hochglanzfolien.
Deshalb gilt mein großes Danke nicht nur allen Teilnehmerinnen für ihre Offenheit, ihre Energie und ihre Bereitschaft, sich auf neue Wege einzulassen, sondern auch Roland Paterno und Michael Moosbrugger dafür, dass genau solche Formate möglich gemacht werden.
Mich persönlich erinnern solche Tage immer wieder daran, warum ich meine Arbeit so liebe.
Weil genau dort, wo Menschen aktiv gestalten dürfen, oft die spannendsten Ideen entstehen.
Die ehrlichsten Gespräche. Manchmal auch der Beginn von etwas, das deutlich größer wird, als ursprünglich geplant war.



